Caracas: Das Inkasso der Leitwährung
Was in Caracas geschah, war keine Außenpolitik. Es war der Versuch, ein Devisenmonopol funktionsfähig zu halten, dessen Durchsetzungsmacht zu erodieren begann.
Über die Reparatur eines Devisenmonopols
Man muss keine Haltung zum Regime in Caracas einnehmen, um den Vorgang vom 3. Januar zu verstehen. Es war keine Rechtsfrage. Es war eine Ordnungsmaßnahme.
Die Stellung des Dollars beruht seit 1971 nicht mehr auf Deckung, sondern auf Durchsetzung. Diese Durchsetzung wurde 1974 institutionell abgesichert, als der globale Ölhandel an die amerikanische Währung gebunden wurde. Wer Energie kaufen wollte, benötigte Dollar. Wer sie transferierte, tat dies über amerikanische Zahlungswege. Damit entstand eine Struktur, in der ökonomische Transaktionen politisch kontrollierbar blieben. Sanktionen waren fortan kein Instrument der Diplomatie mehr, sondern das Resultat technischer Zuständigkeit.
Diese Ordnung setzte voraus, dass es keine funktionierende Umgehung gab. Venezuela stellte diese Prämisse infrage. Nicht programmatisch, sondern operativ. Erdöl wurde verkauft, ohne dass amerikanische Institute an der Abwicklung beteiligt waren. Der Dollar blieb zwar Recheneinheit, verlor jedoch seine Durchsetzungsmacht. Entscheidend war nicht das Volumen dieser Geschäfte, sondern ihre Übertragbarkeit.
Ein Verfahren, das sich kopieren lässt, genügt, um eine Ordnung zu destabilisieren, die auf ihrer Alternativlosigkeit beharrt. In diesem Stadium ist politische Abwägung kein Instrument mehr. Ein System, dessen Funktionsfähigkeit von Kontrolle abhängt, kann den Kontrollverlust nicht dulden, ohne sich selbst aufzugeben. Jede Verzögerung hätte die Reproduzierbarkeit des Modells erhöht und die Grundlage des Sanktionsregimes geschwächt.
Der militärische Zugriff stellte die Kontrolle über Förderung und Abrechnung wieder her. Der Zahlungsweg wurde geschlossen. Die Alternative hätte darin bestanden, den Bedeutungsverlust des Dollars zu akzeptieren. Das hätte innenpolitische Anpassungen erfordert, die in Washington nicht durchsetzbar sind. Diese Möglichkeit existiert nur theoretisch. Praktisch ist sie ausgeschlossen.
Die Intervention war kein Akt politischer Abwägung.
Sie ergab sich aus der Struktur eines Systems, dessen Funktionsfähigkeit andernfalls verloren gegangen wäre.